Nach einer herzlichen Begrüßung der Teilnehmer und unserer Kursleiterin Susanna Stammbach fuhren wir am Sonntag Abend ins Convento Santa Maria di Frati von Bigorio.
Am Montagmorgen bezogen wir voller Erwartung unseren Kursraum Das Thema war klar, aber was ist ein „Cahier d´Artiste“?
Susanna führte uns in den Kurs ein mit einem Künstlerbuch „Ein Besuch im Zoo“. Sie blätterte langsam um, die Seiten sind mal laut, mal leise, mal hoch und mal tief wie beim Gesang, aber die eigentlich Erwartung war: Wann kommen die Tiere?
Danach dachten wir uns jeder ein Wort und mit diesem einen Wort wurde ein 8seitiges Heft gemacht mit all den Aussagen, die das von uns gewählte Wort enthält. Der Einstieg in die wunderbare Welt der Künstlerbücher hatte begonnen.
Nachdem wir uns für ein Format entschieden hatten (Susanna hatte einige vorgegeben), wurde das Papier beschrieben, beklebt und bemalt. Mit unserem Wort machten wir uns an die Arbeit, unser erstes Künstlerbuch zu gestalten, wobei Susanna immer wieder Hilfestellung gab.
Als zweite Aufgabe wurden aus Eierkartons kleine Behälter geschnitten und diese mit einer schnell trocknenden Tonmasse gefüllt. Damit sollten wir dann im Klostergarten Abdrücke von Buchstaben suchen, was sich als gar nicht so einfach erwies. Damit wurden die ersten Stempeldrucke gemacht, aber um das Alphabet zu erweitern, sollten wir noch vorgegebene Buchstaben aus horizontalen, vertikalen, diagonalen und gekrümmten Linien entwerfen und dann aus Pappe zuschneiden. Dabei sollte natürlich auch beachtet werden, dass seitenverkehrt gearbeitet werden musste. Nach dem Ausschneiden hatten wir positive und negative Buchstaben.
Mit der Moosgummi-Technik wurde unser Alphabet vervollständigt, frei konnten wir weitere Buchstaben zeichnen, ausschneiden, auf einen Träger kleben und probestempeln. Diese verschiedenartigen Buchstabenstempel sollten nun eingesetzt werden, um ein Zitat von Franz Kafka „Das Buch ist die Axt für das gefrorene Meer in uns“ zu Papier zu bringen. Die Form konnte ein Leporello, eine Rolle, ein Buch oder ein Palmblattbuch sein. Eigene Schreibgeräte durften zusätzlich eingesetzt werden. Das war eine schöne Herausforderung, aber mit der Führung von Susanna und mit Hilfe der Einzelbesprechungen wurden daraus wunderbare Arbeiten.
Als Abschlussarbeit wurde nun ein persönliches Künstlerbuch erstellt, bestehend aus 16 oder sogar 24 Seiten. Das Format wurde durch das selbst gewählte Thema bestimmt und wir sollten mit Schrift-Bild und Bild-Bild arbeiten. Es war sinnvoll und hilfreich, mit kleinen Story-Books anzufangen, an denen noch vieles geändert werden konnte. In Dreier-Gruppen wurden dann die entstehenden Arbeiten besprochen, später wurde jedes fertige Künstlerbuch präsentiert, gelesen, erzählt und das Katzenbuch wunderbar von Susanna, Benno und Stephanie vorgesungen.
In der lauen Sommernacht fanden sich die Teilnehmer zum letzten Abend zusammen, der mit wunderschönen Liedern und viel Lachen zu Ende ging.
Ein herzliches Dankeschön an Susanna Stammbach, die und mit viel Wissen und Tipps durch diese Woche geführt hat. Ein Dankeschön auch an die Organisation und an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die dazu beitrugen, dass wir so harmonisch zusammen arbeiten konnten.
Danke, Merci, Gracie, Thank you
Susann Graf, Huttwil
Es schneite ununterbrochen. Die Verkehrsnachrichten waren deprimierend. Das Vernünftigste wäre gewesen, zu Hause zu bleiben. Aber uns zog es nach Pforzheim zu einem Wochenende mit Mari Bohley.
Im Forum Hohenwart rauchte nicht nur die Heizung, sondern bald auch unsere Federn. Wir beschäftigten uns mit unserer persönlichen Handschrift und versuchten, sie interessanter zu gestalten, indem wir größer, kleiner, schneller, langsamer, weiter oder ganz eng schrieben. Ganze Seiten wurden mit unseren Schriften gefüllt, dann an die Wand gehängt und beurteilt und bewundert. Dabei fiel auf, dass fast jeder die fremden Handschriften der eigenen vorzieht. Später versuchten wir, die Schriften durch überdimensionale Ober- und Unterlängen noch ausdrucksvoller zu machen, auch Spiegelschriften wurden ausprobiert.
Mit Nussbaumtinte und farbigen Beizen und breitem Balsaholz demonstrierte Mari sehr elegante Buchstaben und Buchstabenfragmente, die dann kombiniert mit unseren handschriftlichen Arbeiten in kleine Bücher gebunden wurden.
Mari hatte eine kleine Wunderkiste an Mini-Büchern dabei, an denen sie die unterschiedlichsten Falt- und Bindemöglichkeiten demonstrieren konnte. Dabei kamen dann natürlich auch die mitgebrachten schönen Papiere zum Einsatz und die Büchlein wurden verschlossen mit Bändern, Schleifen, Laschen, Knöpfen, Stöckchen, Federn, die Möglichkeiten waren hier unendlich.
Besonderes Augenmerk beim Falten oder Schneiden musste auf genaues Arbeiten gelegt werden, auch auf den Papierlauf muss man beim Kleben und Leimen immer denken. So lernten wir im Laufe der drei Tage von Mari zahlreiche Kniffe und Tricks und der Buchbindevirus breitete sich im Laufe der Zeit immer mehr aus. Ihre Professionalität und ihr Können half uns bei der exakten Ausführung unserer Ideen.
Wir danken Mari für diese fröhlichen, bunten und arbeitsamen Tage, in denen wir wirklich viel gelernt haben.
Ilse Löber
Mainz