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Polyrithmic Calligraphy

Seminar & Workshop mit Denis Brown

Experimentieren mit verschiedenen Schriftrhythmen

21. - 27. August 2011

in Bigorio, Tessin Schweiz

Warm war es, heiß war es, Augustsonne stand über Bigorio und über dem Kloster. Alle Fenster verhangen, damit wir nicht auch nicht an den Händen schwitzten. Denis Brown holte sich immer wieder Kühlung auf seine Hände durch ein feuchtes Handtuch. Anfangs hatte ich gedacht, er musste sich die Hand trocknen – es war aber zur Kühlung.

 






Wenn wir bisher das kalligraphische Schreiben eher als langsame und sorgfältige Bewegungen kennen gelernt hatten, bewies uns Denis mit jedem Federstrich, dass die richtige Form und Dynamik erst durch die Abfolge aus langsam und schnell, oder als sorgfältigen Ansatz mit einem rasanten Abschwung entsteht. Zum langsamen Schauen und Erkennen, hat er uns die Bewegungsabfolge eben in langsamen Bewegungen gezeigt. Und dem Ergebnis fehlte dann eben genau dieses, was der Titel schon versprach: die Dynamik des Polyrhythmischen.

Wer die traditionelle westliche Kalligraphie lernen möchte, muss deren typischen Schriftrhythmus einüben. Das sind senkrechte und kursive parallele Linien – den Lattenzaun. Andere Schriften wie zum Beispiel die arabische oder Klangschriften wie die Notenschriften weisen ganz andere Rhythmen auf. Der Kurs experimentiert mit verschiedenen Schriftrhythmen aus verschiedenen Schrift- und Dokumentquellen. 

Es waren anregende und spannende Arbeitstage – heiß von der Sonne und heiß auch von unseren Bemühungen. Wir haben uns mit der Erkenntnis getröstet, dass Denis Brown eben 30 Jahre Vorsprung hat. Wir bleiben dran und üben.






Bilder vom Kurs [PDF]




KAIROS – Ausstellung der „Gruppe Schriftspiel“ zum 10jährigen Bestehen des Vereins.

Hohenwart-Forum bei Pforzheim, 27. 3. – 15. 5. 2011





„Kronos“ und „Kairos“ sind in der griechischen Mythologie Verkörperungen der Zeit.

Kronos repräsentiert die große zyklische, unaufhaltsam fließende Zeit. Kairos hingegen, dargestellt als geflügelter Jüngling mit großer Lockentolle auf der Stirn, beherrscht die „Gunst des Augenblicks“. Ihm als Einzigem gelingt es, in die fließende Zeit einzugreifen, um den rechten Augenblick zu nutzen – oder verstreichen zu lassen. Somit ist er der schicksalhafte Gegenspieler von Kronos und zugleich immer mit ihm verbunden.

Wie lässt sich dieses anspruchsvolle Thema kalligrafisch umsetzen? Die Gruppe Schriftspiel  nähert sich diesem Thema mit expressiver Kalligaphie. Was ist expressive Kalligraphie?

Sie geht über die Disziplin des Schönschreibens weit hinaus. Dabei öffnet sie sich in zwei Richtungen: in das Bild-Bild, das kulturgeschichtlich jeder Schrift in allen Kulturen vorausgeht, und in das Schrift-Bild, das mit der Schrift entstehen könnte.

 

Bild, Schrift, Bilderschrift, Schriftbild – das ist der Spannungsbogen der expressiven Kalligrafie. Hat sich Schrift von strikten Regeln befreit, gibt sie die Erwartungen an die Lesbarkeit des Textes preis. Texte können zu Kontexten werden.

 

In der Gruppe Schriftspiel kommen unterschiedliche Individuen zusammen, sie bringen Hand-Schriften, Ideen und Auffassungen mit ein. Mit Freude, Spontaneität, Expression und Mut stellen sie sich der Herausforderung und experimentieren mit dem Thema.

 

Die Kuratorin Krisztina Jütten hat mit ihrer Auswahl eine spannende, in gegenseitigem Dialog stehende Annäherung an das Thema „Kairos“ zusammengestellt.

 

Vorwort im Ausstellungskatalog

Jantje Janßen




Bilder der Ausstellung [PDF]




Ein virtueller Rundgang durch die Ausstellung beginnt [hier]

 

Zu einem Besuch auf der Kunst-Seite des Forum Hohenwart geht es [hier]

 





Typen und Porträts

Seminar & Workshop mit Stephanie Bunn

vom 4. bis 7. März 2011

in Pforzheim-Hohenwart

 






Der Kurs erkundet das Spannungsfeld, den Dialog zwischen figürlicher Darstellung und Schriftbild bzw. Schrifttypen.

  • Handschriftliche und zeichnerische Charakterdarstellung von Typen: Schrifttypen und Zeitgenossen, 
  • einen bedeutsamen Dialog visualisieren (entsprechend mitbringen: Literatur-, Film-, selbst erlebte Beispiele)
  • Einführung figürliches Zeichnen unter Anwendung verschiedener Zeichen-/Maltechniken
  • Visualisierung eines Dialogs zwischen Typen




Nachdem wir im letzten Jahr im Schnee versunken sind, begrüßte uns dieses Jahr das Hohenwart Forum in Pforzheim mit strahlendem Sonnenschein. Die Ansprüche an den Kurs und die Kursleiterin Stephanie Bunn waren groß. Es ging um das Spannungsfeld zwischen Dialog und der grafischen Darstellung von Figuren/Typen und Schriftbildern.

Wir begannen mit einer kurzen Einschreibaufgabe. Danach verteilte Stephanie Kerzen, mit denen wir bei geschlossenen Augen unsere gefühlten Gesichter nachzeichnen sollten. Bei der Übermalung mit Tinte wurden die Wachslinien sichtbar. Dann zeichneten wir unsere Gesichter und auch die der anderen Kursteilnehmer mit Bleistift, wobei wir deren Gesichter beobachten sollten, aber nicht die Zeichnung. Anschließend lavierten wir die Zeichnungen oder setzten Texte auf die Blätter. Danach konzentrierten wir uns auf ausschließlich auf die dunklen Partien im Gesicht und malten diese mit schwarzer Tinte nach. Mit Hilfe eines Gummibandes und einer Kartoffel bekamen wir die Proportionen eines Gesichtes erklärt.

Aus einer Liste von Sprichwörtern suchten wir uns eines aus und versuchten, es malerisch und zeichnerisch in Wort und Bild darzustellen.

Besondere Phantasie benötigten wir bei der nächsten Aufgabe. Stephanie sammelte schon seit einiger Zeit Einkaufszettel von fremden Menschen. Jeder suchte sich einen der Zettel aus und konstruierte eine Person. Dazu war eine genaue Analyse der Schrift und des Inhalts notwendig. Auch zeichnerisch sollten wir uns dem Menschen annähern, was nicht immer zu aller Zufriedenheit gelang.

Bis hierher ging es um die Darstellung einer einzelnen Person, nun sollten wir Menschengruppen in verschiedenen Situationen zeichnen. Anhand von Dialogen aus der Literatur entwickelten wir Schriften, die zu den beschriebenen Personen passten und stellten den Dialog mit diesen Schriften dar. Auch auf den Zeichnungen von Paul Klee, Jean Dubuffet und Henry Moore, die wir ergänzen und weiterzeichnen sollten, ging es um größere Personengruppen.

In der letzten Übung ging es darum, Begriffe und Emotionen auf dem Papier darzustellen, dazu durften wir zunächst nur Linien oder Zeichen, später aber auch Worte und Gegenstände benutzen.

An zwei Abenden sahen wir uns Filme an. „Das große Rennen von Belleville“ ist ein Zeichentrickfilm mit sehr speziellen Typen. In „Heimatklänge“ werden drei außergewöhnliche Stimmkünstler vorgestellt, die in der Kulisse der Schweizer Berge die Weiterentwicklung traditioneller Musik der Alpen in die Moderne zeigen.

Die Gruppe war klein, deshalb konnten wir ruhig arbeiten und die Ergebnisse intensiv besprechen. Nach vier Tagen trennten wir uns, die Köpfe voll mit neuen Informationen und einem breiten Spektrum an Möglichkeiten, Menschentypen zu erkennen und in Schrifttypen umzusetzen. Wir danken Stephanie dafür.

Ilse Löber, März 2011

 




Kursbeschreibung [PDF]




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